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 |  Postkarte von 1904 Als
Theodor Heuss im Herbst 1902 sein Studium nicht an der
heimischen Landesuniversität Tübingen, sondern in München begann, da
schwebte
ihm vor, seine Zeit nicht nur im Hörsaal und am Schreibtisch zu
verbringen,
sondern auch das pulsierende Leben der bayerischen Kulturmetropole
hautnah zu
erleben. Im Kreis seiner Freunde, denen er sich in München bald
anschloss und
die seine liberal-demokratischen politischen Ansichten zumeist teilten,
wusste
er dem Studentenleben durchaus lebenslustige Seiten abzugewinnen. Dazu
gehörten
die alljährlichen Faschingsfeste, die Feiern in der Schwabinger
Künstlerwelt
und regelmäßige Wirtshausbesuche.
In
der damals beliebten Münchener Künstlerkneipe und Weinstube
„Simplicissimus“
schrieb Heuss in den Morgenstunden des 6. Novembers 1905 diese
Postkarte.
Adressatin ist die Schriftstellerin Lulu von Strauß und Torney
(1873-1956).
Heuss hatte sie ein Jahr zuvor ebenfalls auf einem Münchener
Faschingsfest
kennen gelernt und stand seither mit ihr in engem Briefkontakt. Der in
einer
übermütigen, ausgelassenen und – so ist zu vermuten – nicht mehr ganz
nüchternen Stimmung verfasste Text der Karte macht deutlich, dass Heuss
zusammen mit seinen beiden Freunden Gustav Stotz und Karl Glass, seinem
Bruders
Hermann und der Wirtin Kathi Kobus wieder einmal eine überaus
vergnügliche
Nacht verbracht hatte:
„Im
Lokal der Käthe Kobus, der verflossenen Dichtelei seligsten Gedenkens.
Gegeben
gen Morgen.
Allzeit
Dorle
K.
Glass
Gruss
Stotzle
Hermann
Heuss
herz[lichen]
Gruß Kathi
Abgesandt
½8 h morgens nach herrlicher Nacht.“Vergangene Objekte der Zeit
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