Theodor Heuss als Repräsentant von Humanität in der politischen Landschaft – auch deshalb gründete der Deutsche Bundestag 1994 die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus. Damit wurde eine überparteiliche Stiftung des öffentlichen Rechts ins Leben gerufen, deren zentrale Aufgabe darin liegt, das vielseitige Leben und Werk des ersten Staatsoberhaupts der Bundesrepublik wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Vielen Menschen nur in der Rolle des Bundespräsidenten bekannt, verkörpert Theodor Heuss (1884-1963) darüber hinaus eine demokratische und rechtsstaatliche Tradition im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Zwei Weltkriege und vier verschiedene politische Systeme gaben den historischen Rahmen vor, in dem er sich zu bewegen hatte.
Seit dem Kaiserreich engagierte sich Heuss politisch auf Seiten der Sozialliberalen, sei es als Wahlhelfer Friedrich Naumanns, als Politiker oder als Parlamentarier der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) im Reichstag der Weimarer Republik. Als Bildungsbürger verfügte
er zudem souverän über die Instrumente des Redners und Publizisten und wirkte so in eine breite Öffentlichkeit hinein.
Heuss als Journalist und Historiker blieb – auch in Zeiten der erzwungenen politischen Abstinenz zwischen 1933 und 1945 – ein aufmerksamer Beobachter der Zeitläufte. Und schließlich gab er als Wanderer mit Stift und Feder seiner Gegenwart zeichnerischen Ausdruck.
Heuss stand im Zeitalter der Extreme, in dem die Ideologien aufeinander prallten, für ein demokratisches Selbstverständnis, Völkerverständigung und humane Bildung. So empfahl er sich nach der nationalsozialistischen Diktatur für die schwierige Aufgabe, als Staatsoberhaupt die junge Bundesrepublik nach innen und außen zu festigen sowie glaubwürdig zu vertreten.
An diese facettenreichen Lebensbezüge knüpft die Stiftung an, indem sie die Erinnerung an Theodor Heuss fördert, zeitgeschichtliche Forschungsvorhaben initiiert und politische Bildungsarbeit betreibt. Dabei widmet sie sich zum einen dem noch unzureichend erforschten Leben und Werk von Theodor Heuss, berücksichtigt aber ebenfalls die Bedeutung seiner Frau Elly Heuss-Knapp. In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nachgegangen, inwieweit sich die Krisen und Brüche dieses Jahrhunderts in die Biographie eines politisch aktiven Liberalen eingeschrieben und dessen weitere Entwicklung bestimmt haben. Zum anderen geht die Stiftung in ihrer Arbeit über den biographischen Horizont hinaus und wendet sich allgemeinen Themen der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu, insbesondere der Entwicklung der Demokratie, des Parlamentarismus und der Parteien sowie des Bürgertums und der politischen Kultur in Deutschland.
In der politischen Bildungsarbeit möchte die Stiftung so das Bewusstsein für die Möglichkeiten und Grenzen demokratischen Handelns in unterschiedlichen politischen Systemen schärfen und die Ausbildung historisch reflektierter demokratischer Werthaltungen stärken.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit gibt die Stiftung eigene Publikationen heraus und regt Forschungsvorhaben an; ebenso fördert und vernetzt sie den zeitgeschichtlichen Fachdiskurs. Tagungen, Seminare und Fortbildungen mit Lehrern, Schülern, Studenten und Wissenschaftlern sowie weitere wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen setzen daher wichtige
Akzente in der Stiftungsarbeit.
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